Nutzung:
Wohn- und Betreuungsheim
Fläche:
über 10'000 m2 Land
Gebäude:
3 Hauptgebäude und 2 Nebengebäude
Kauf:
November 2013
Vermietet:
ab Februar 2014, gestaffelte Miete
Umbau:
Mieterseitiger Umbau ab Frühling 2014
Start Nutzung:
ab November 2014

Die Impact Immobilien AG hat Ende November 2013 in der Nähe von Wattenwil, Kanton Bern, mehrere Grundstücke mit einer Fläche von total über 10'000 m2 und drei Hauptgebäuden sowie zwei Nebengebäuden an der "Mettleneggen" erworben. Das Land und die Gebäude werden in Zukunft von der Nathalie Stiftung als Wohn- und Betreuungsheim für Menschen mit Autismus genutzt.

Die Nathalie Stiftung und die Impact Immobilien AG haben einen Mietvertrag über 20 Jahre abgeschlossen. Die Nathalie Stiftung übernimmt dabei auch den Unterhalt der Liegenschaften. Im Jahr 2014 wird sie einen auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner angepassten Mieterausbau realisieren und diesen auch selber finanzieren.

Interview mit den Verantwortlichen der Nathalie Stiftung

Manuela Dalle Carbonara
Christian Staub

 

Wie ist die Nathalie Stiftung (NaSt) entstanden und wie hat sie sich in den letzten Jahren entwickelt?

Christian Staub: Ende 60er Jahre sind im Kanton Bern verschiedene Institutionen für behinderte Menschen begründet worden. Die Nathalie Stiftung wurde 1967 als Verein ins Leben gerufen. Ziel war es, einen Kindergarten für behinderte Kinder zu führen. 1970 wurde der Verein in eine Stiftung überführt. Gemäss Stiftungsurkunde bezweckte die Stiftung den Betrieb eines oder mehrer Tagesheime oder ähnlicher Einrichtungen für geistig behinderte Kinder innerhalb des Kt. Bern, insbesondere des "Heilpädagogischen Tagesheimes Muri-Gümligen.

Die Gründerfamilie Brunner ist mit ihrer Tochter Nathalie selber betroffen und noch heute im Stiftungsrat engagiert.

Manuela Dalle Carbonare: Heute bezweckt die Nathalie Stiftung den Betrieb von Tagesheimen, Wohn- und Beschäftigungsheimen sowie anderer Einrichtungen als gemeinnützige Werke insbesondere für Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen und Verhaltensstörungen.

Was sind die Tätigkeitsgebiete und Angebote der Nathalie Stiftung?

Manuela Dalle Carbonare: Die NaSt ist heute ein Kompetenzzentrum für Menschen mit Autismus und/oder gravierenden Störungen in derWahrnehmungsorganisation. Diese Aufgabe wird in vier Bereichen wahrgenommen:

  • In der Heilpädagogischen Tagesschule werden 37 Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 18 Jahren unterrichtet.
  • Das Internat in Boll bietet während 365 Tagen im Jahr 9 Kindern ein zu Hause an. 16 Kinder aus dem Internat nehmen dieses Angebot regelmässig in Anspruch. Zudem werden 18 Kinder an Wochenenden oder in den Ferien zur Familienentlastung betreut.
  • Im Bereich Wohnen und Arbeiten wohnen derzeit 19 Erwachsene in 5 Wohngruppen, zusätzlich werden 4 Menschen in Studiowohnungen betreut.
  • Die Beratungsstelle betreut vor allem Familien, die ein Kind mit Autismus Spektrum Störungen und/oder geistiger Behinderung haben. In der Ausbildung werden Betroffene gecoacht und erhalten Informationen zum besseren Verständnis von Autismus Spektrum Störungen.

Was genau ist Autismus?

Manuela Dalle Carbonare: Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, bei der Menschen aufgrund einer komplexen Störung des zentralen Nervensystems sich und ihre Welt anders wahrnehmen. Das Spektrum der Störungen ist vielfältig. Die Merkmale des Autismus bemerkt man hauptsächlich in folgenden Bereichen:

  • Auffälligkeit der Sprache und der Kommunikation z.B. durch verspätete oder fehlende Sprachentwicklung oder häufiges Wiederholen von Wörtern oder Sätzen.
  • Auffälligkeiten der sozialen Interaktionen z.B. Besonderheiten im Blickkontakt, Mimik und Gestik.
  • Eingeengte und repetitive Verhalten, Interessen und Aktivitäten, Angst vor Neuem, ausgeprägte Spezialinteressen.

Christian Staub: Die Ursachen des Autismus sind bis heute nicht vollständig geklärt. Bei der Entstehung spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Genetische Einflüsse und wahrscheinlich biologische Abläufe vor, während und nach der Geburt können die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und die autistische Störung auslösen.

Was sind die Herausforderungen bei Menschen mit Autismus?

Manuela Dalle Carbonare: Für Menschen mit Autismus Spektrum Störungen stellen die Kontaktpflege und das Verstehen von sozialen Vereinbarungen eine grosse Herausforderung dar. Deshalb und in Anlehnung an die in unserer Gesellschaft üblichen Kleinhaushalten umfasst die Wohngemeinschaft maximal vier Bewohnerinnen und Bewohner. Wohnungen und Umschwung sind so angelegt, dass je nach individuellen Interessen selbst gewählte spontane gruppenübergreifende Kontakte unter den Bewohnern möglich werden. Alle Bewohner und Bewohnerinnen zeigen immer wieder, dass selbst kleinste Verunsicherungen zu grossen Stressfaktoren werden können, auf welche sie mit zum Teil sehr herausfordernden Verhaltensweisen reagieren. Diese schliessen auch Selbstverletzungen und Fremdaggressionen mit ein.

Warum ist die Mettleneggen der ideale Standort für die Nathalie Stiftung?

Christian Staub: Die Wohnräume an der Mettleneggen können so gestaltet werden, dass sie bestmöglichst auf die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen der einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner zugeschnitten sind und dabei Stressfaktoren, Reizüberflutungen und gegenseitige Einschränkungen möglichst klein gehalten werden können. Die Mettleneggen bietet mit ihren verschiedenen Häuser und dem riesigen Umschwung eine einzigartige Möglichkeit diesen Bedürfnissen gerecht zu werden. Mit den geplanten Umbauten kann die Entflechtung innerhalb der Wohngruppen, aber auch zwischen den verschiedenen Gruppen stattfinden. Am Rande der Gemeinde Wattenwil gelegen, haben die Bewohnerinnen und Bewohner auch die Möglichkeit die Natur mit all ihren Reizen hautnah zu erleben.

Was plant die Nathalie Stiftung am Standort Mettleneggen?

Manuela Dalle Carbonare: Kurzfristig möchten wir Ende 2014 mit allen Bewohnerinnen und Bewohnern in der Mettleneggen wohnen. Mittel- und langfristig bietet die Mettleneggen Potential, um neue Produkte anzubieten. So sind derzeit im Kanton Bern Kriseninterventionsplätze für Erwachsene sehr gesucht. Wir werden Anfang nächstes Jahr ein Konzept für zwei solcher Plätze bei der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern einreichen. Weiter können im grossen Garten Time Out Plätze für Jugendliche, die eine Zwischenlösung brauchen, bevor sie eine Lehrstelle beginnen, angeboten werden. Die Beratungsstelle hat bereits begonnen, Konzepte in diese Richtung zu entwerfen. Langfristig kann mit den Landreserven auch über eine Alters- und Pflegeeinrichtung für Behinderte nachgedacht werden.